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Der Sprung über den Theater-Graben - USA-Kuba

(Fotos: Jorge L. Baños)

Der Sprung über den Theater-Graben

Erstes gemeinsames Theaterprojekt Kuba-USA seit dem Abbruch 1961

Ohne viel Tam-Tam um die bemerkenswerte Tatsache zu machen, dass es sich um den ersten kulturellen Brückenschlag im Bereich Theater zwischen kubanischen und US-Kubanischen Künstlern handelt - seit dem folgenschweren Abbruch der Beziehungen zwischen den beiden Ländern im Jahr 1961 und der Verhängung eines strikten Wirtschaftsboykotts Washingtons über Kuba – läuft seit Anfang Juli in einem Kellertheater in Havanna das Stück „El canto del pozo ciego“, eine Inszenierung mit 100-prozentigen US-Kubanischen Hintergrund.

Die Kooperation zwischen der kubanischen Theatergruppe „Rita Montaner“ und dem US-Regisseur und Produzenten Jorge Luis Cacheiro, ein US-Kubaner der sich in den letzten zehn Jahren stark engagiert hat, das Theater als Raum für den kulturellen Austausch zwischen den beiden Ländern zu gewinnen.

Die Verhandlungen um das Projekt waren 1999 sehr vielversprechend in Kuba begonnen worden, bereits 2002 lag die Genehmigung von Seiten der kubanischen Behörden vor, als dann die Eskalation des kalten Krieges am Ende der Regierung Bill Clinton und dann schließlich mit dem Reiseverbot unter der Regierung George W. Bush die Türen wieder zugeschlagen wurden.

Zuvor hatte es im kulturellen Bereich (mit Ausnahme Theater) einen aufblühenden Austausch, besonders unter der kurzen Periode der US-Regierung von Jimmy Carter, die nur vier Jahre gehalten hat (1977-1981), gegeben.

Zu dieser Premiere von „Blindes Singen“ (frei übersetzt von der Redaktion) trafen sich zwei kongeniale Kultur Schaffende aus der interkulturellen kubanisch-US-amerikanischen Szene, der Dramaturg und Autor des Bühnenstückes, Jorge Ignacio Corti?as, geboren in Miami und der Regisseur Cacheiro, geboren in Havanna und aufgewachsen in New York. Der kulturelle Impuls den sie auslösten, kam auch eher aus der etablierten US-Kubanischen Kulturszene in New York, als aus der brodelnden Exil-Szene in Miami.

Das Stück handelt von der Identitätsfindung eines Jugendlichen, über seine Stimme aus einem tiefen Loch .. ein Gesang über Abschiede, Liebeskummer, Freundschaften, Familie, Nostalgie und Angst… über individuelle Freiheit, Hoffnung, Liebe und soziale Herkunft. Alles starke und emotionale Themen, sowohl der kubanischen Gesellschaft, wie auch – und erst recht – der 1,5 Millionen KubanerInnen in der Diaspora!

Eine weitere bemerkenswerte Dimension dieser Kooperation ergibt sich aus der Tatsache, dass das Drama von Corti?as sich erklärtermaßen an dem ersten Roman des kubanischen Autors – und später einflussreichen Dramaturgen in den USA - Reinaldo Arenas (1943-1990) inspiriert. Arenas war in den 70er Jahren als bekennender Homosexueller mit der kubanischen Revolutionsregierung in Konflikt geraten, kam auch ins Gefängnis, ging dann ins Exil, dort erkrankte er an AIDS und beging in tiefer Verzweiflung Selbstmord. 

Gleichzeitig mit der Theaterpremiere in Havanna sind auch andere Anzeichen eines kulturellen Tauwetters zwischen Kuba und den USA, nach den jüngsten Lockerungen des absoluten Reiseverbotes aus dem Jahr 2003, sichtbar geworden. Aufgefallen sind die US-Tourneen der Leiterin des international anerkannten kubanischen National Balletts, Alicia Alonso und der berühmten Trova-Interpreten Silvio Rodríguez und Carlos Varela.

Auch umgekehrt erzeugten die Gastkonzerte des 200 Stimmen starken StudentInnen Chors der New Yorker Yale-Universität in Kuba starkes Aufsehen.

Aktiv unterstützt werden diese ersten kulturellen Austausch-Prozesse mit dem boykottierten Kuba von der kubanischen Kunstakademie „Instituto Superior de Arte“ (ISA), die erst kürzlich im Juni in Wien ein Kooperationsabkommen zur Gründung der „Floridita Cuban Dance Academy“ unterzeichnet hat, die eine regionale Plattform für die Kooperation und Förderung der kubanischen Tanzmusik und der afro-kubanischen Folklore Tänze werden soll.(Siehe dazu auch die Startseite der Floridita-Webseite) (ENDE/Redaktion Floridita)

Quellen u.a. ips, afp, ap und weitere Infos (spanisch):

http://www.ipsnoticias.net/nota.asp?idnews=96080

http://cambiosencuba.blogspot.com/2010/07/el-canto-del-pozo-ciego-en-las-salas.html

http://lapolillacubana.nireblog.com/post/2010/07/07/estrenan-el-canto-del-pozo-ciego-en-la-sala-el-sotano-por-la-compania-rita-montaner

http://www.muyfabuloso.com/elhispanicnewsblog/2010/07/teatro-en-la-habana-une-a-cubanos-y-cubanos-americanos.html